Hörgerät beim Sport verloren?

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Moderne Hörgeräte sind klein, leicht und leistungsfähig. Genau diese kompakte Bauweise kann beim Sport allerdings zum Problem werden. Beim Joggen rutscht ein Hörgerät unbemerkt aus dem Ohr, beim Radfahren geht es beim Absetzen des Helms verloren oder nach dem Training bleibt es möglicherweise in der Umkleide liegen. Hörgerät beim Sport verloren? Ortungs-Apps und Versicherungen helfen!

Bei hochwertigen Hörsystemen ist das nicht nur ärgerlich, sondern unter Umständen auch teuer. Deshalb lohnt es sich für sportlich aktive Hörgeräteträger, sich schon vor dem nächsten Training mit zwei Fragen zu beschäftigen: Kann ich mein Hörgerät mit einer App wiederfinden? Und bin ich gegen einen Verlust ausreichend versichert?

Warum Hörgeräte beim Sport leichter verloren gehen können

Im normalen Alltag bemerkt man meist schnell, wenn ein Hörgerät nicht mehr richtig sitzt. Beim Sport ist die Situation anders. Bewegung, Kleidung, Helme und häufige Ortswechsel erhöhen das Verlustrisiko.

Besonders kritisch sind Situationen wie:

  • das An- und Ausziehen von Mützen, Stirnbändern oder Helmen,
  • schnelles Wechseln von Sportkleidung,
  • Training im Freien,
  • Umkleidekabinen und Fitnessstudios,
  • Pausen, in denen die Hörgeräte kurz herausgenommen werden,
  • intensive Bewegungen beim Laufen oder Mannschaftssport.

Wie sich der Halt eines Hörsystems beim Training verbessern lässt, haben wir bereits ausführlich in unserem Beitrag über ⁠Otoplastiken beim Sport behandelt.

Doch selbst bei gutem Sitz lässt sich ein Verlust niemals vollständig ausschließen. Dann kann moderne Technik helfen.

Hörgerät beim Sport verloren und per App wiederfinden

Viele aktuelle Hörgeräte lassen sich mit einem Smartphone verbinden. Die zugehörigen Apps dienen längst nicht mehr ausschließlich dazu, Lautstärke oder Hörprogramme einzustellen. Einige Hersteller integrieren inzwischen auch Funktionen zum Wiederfinden eines verlorenen Hörsystems.

Ein Beispiel ist die myPhonak App. Bei kompatiblen Hörsystemen kann die Funktion „Meine Hörsysteme finden“ den letzten bekannten Verbindungspunkt anzeigen. Befindet sich das eingeschaltete Hörgerät wieder in Reichweite, kann die Signalstärke bei der weiteren Suche helfen.

Das Prinzip ist besonders für Sportler interessant.

Stellen wir uns vor: Nach einer zehn Kilometer langen Laufrunde fällt auf, dass das rechte Hörgerät fehlt. Ohne technische Unterstützung müsste theoretisch die gesamte Strecke abgesucht werden. Kennt die App dagegen den letzten Verbindungspunkt, lässt sich der Suchbereich möglicherweise erheblich eingrenzen.

Eine Ortungs-App ist kein GPS-Sender

Dabei sollte man allerdings keine falschen Erwartungen haben. Ein Hörgerät mit Suchfunktion funktioniert nicht zwangsläufig wie ein GPS-Tracker im Auto oder Smartphone.

Je nach Hersteller und Hörsystem arbeitet die Suche beispielsweise mit dem letzten bekannten Verbindungspunkt und Bluetooth-Signalen.

Das bedeutet: Die App kann unter Umständen anzeigen, wo zuletzt eine Verbindung zum Hörgerät bestand. Befindet man sich wieder in dessen Nähe und sendet das Gerät noch ein entsprechendes Signal, kann die Bluetooth-Signalstärke helfen, sich dem Hörgerät anzunähern.

Liegt das Gerät dagegen ausgeschaltet oder mit leerem Akku irgendwo im Wald, kann eine Bluetooth-basierte Nahbereichssuche an ihre Grenzen kommen.

Deshalb sollte man bereits beim Kauf eines Hörsystems fragen:

„Welche Ortungs- oder Suchfunktion bietet dieses Modell konkret?“

Denn die Möglichkeiten unterscheiden sich je nach Hersteller, Modell, Smartphone und App-Version.

Was tun, wenn das Hörgerät beim Sport verloren geht?

Wer nach dem Training feststellt, dass ein Hörgerät verschwunden ist, sollte möglichst systematisch vorgehen.

Zunächst empfiehlt es sich, die Hersteller-App zu öffnen und – sofern vorhanden – die Funktion zum Wiederfinden des Hörgeräts aufzurufen. Anschließend sollte man den letzten bekannten Standort beziehungsweise die letzte Verbindung überprüfen.

Danach lohnt es sich, typische Verluststellen abzusuchen: Umkleide, Spind, Auto, Fahrradhelm, Sporttasche, Jacken- und Hosentaschen sowie die Stellen, an denen während des Trainings Kleidung gewechselt wurde.

Bei einer Bluetooth-Nahbereichssuche sollte man sich langsam bewegen. Veränderungen der Signalstärke können einen Hinweis darauf geben, ob man sich dem Hörgerät nähert.

Hörgerät nicht gefunden: Wer bezahlt den Verlust?

Jetzt kommt die zweite wichtige Absicherung ins Spiel: die Versicherung.

Ein Hörgerät kann mehrere Tausend Euro kosten. Besonders bei einer Versorgung mit hoher privater Aufzahlung kann ein Verlust deshalb finanziell schmerzhaft werden.

Dabei sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass die vorhandene Hausratversicherung sämtliche Kosten übernimmt.

Eine klassische Hausratversicherung deckt bestimmte versicherte Gefahren ab. Das einfache Verlieren oder Liegenlassen eines Hörgeräts unterwegs gehört jedoch normalerweise nicht automatisch dazu.

Für aktive Hörgeräteträger kann deshalb eine spezielle Hörgeräteversicherung interessant sein.

Was sollte eine Hörgeräteversicherung abdecken?

Entscheidend ist nicht allein, dass auf dem Vertrag „Hörgeräteversicherung“ steht. Wichtig sind die konkreten Versicherungsbedingungen.

Sportler sollten insbesondere prüfen, ob folgende Situationen versichert sind:

Verlust: Das Hörgerät fällt beispielsweise beim Joggen unbemerkt aus dem Ohr.

Liegenlassen: Das Gerät wird in der Umkleide herausgenommen und anschließend vergessen.

Beschädigung: Das Hörgerät fällt beim Training herunter und wird beschädigt.

Diebstahl: Das Hörsystem wird beispielsweise aus einer Sporttasche oder einem Spind entwendet.

Auch Selbstbeteiligung, maximale Erstattung und mögliche altersabhängige Kürzungen sollten vor Vertragsabschluss geprüft werden.

Denn Versicherungen ersetzen nicht zwangsläufig den vollständigen ursprünglichen Kaufpreis. Je nach Tarif können Selbstbeteiligungen, Höchstgrenzen oder andere Erstattungsregeln gelten.

Hörgerät beim Sport verloren? Wann eine Versicherung besonders interessant sein kann

Nicht jeder Hörgeräteträger benötigt zwingend eine zusätzliche Police. Bei einem Hörgerät mit geringer oder keiner privaten Aufzahlung sieht die finanzielle Situation beispielsweise anders aus als bei zwei hochwertigen Hörsystemen mit erheblichem Eigenanteil.

Stiftung Warentest weist ebenfalls darauf hin, dass eine zusätzliche Absicherung insbesondere bei einer hohen privaten Aufzahlung interessant sein kann. Bei Verlust zahlen Hörgeräteversicherungen je nach Vertrag einen Teil der verbleibenden Kosten, wobei unter anderem Selbstbeteiligungen berücksichtigt werden können.

Für Sportler kommt ein weiterer Faktor hinzu: das individuelle Verlustrisiko.

Wer täglich läuft, Rennrad fährt, Ski fährt oder regelmäßig zwischen Helm, Mütze und Sportkleidung wechselt, setzt seine Hörgeräte anderen Situationen aus als jemand, der sie überwiegend zu Hause und im Büro trägt.

Ortungs-App plus Versicherung: sinnvoller doppelter Schutz

Für aktive Hörgeräteträger ergänzen sich technische und finanzielle Absicherung sehr gut.

Die Ortungsfunktion soll dabei helfen, ein verlorenes Hörgerät möglichst schnell wiederzufinden.

Die Versicherung wird relevant, wenn die Suche erfolglos bleibt oder das Gerät beschädigt wurde – vorausgesetzt, der konkrete Schaden ist vom gewählten Tarif gedeckt.

Hinzu kommt die mechanische Prävention. Ein sicherer Sitz, geeignete Otoplastiken und gegebenenfalls zusätzliche Haltesysteme reduzieren das Risiko bereits während des Trainings.

Damit entsteht ein sinnvolles Drei-Stufen-Prinzip:

Verlust vermeiden – verlorenes Hörgerät orten – finanzielles Restrisiko absichern.

Vor dem Sport die Technik einmal testen

Eine Suchfunktion bringt wenig, wenn man erst nach einem Verlust herausfinden muss, wie sie funktioniert.

Deshalb empfiehlt sich ein einfacher Test zu Hause: Hörgerät mit dem Smartphone koppeln, Suchfunktion öffnen und prüfen, welche Informationen die App tatsächlich liefert.

So weiß man im Ernstfall sofort, wo man suchen muss.

Gleichzeitig lohnt sich ein Blick in die Versicherungsunterlagen. Wer dort erst nach dem Verlust entdeckt, dass einfaches Verlieren ausgeschlossen ist oder eine hohe Selbstbeteiligung gilt, erlebt möglicherweise eine unangenehme Überraschung.

Kleine Vorbereitung kann viel Ärger ersparen

Hörgeräte und Sport schließen sich längst nicht mehr aus. Moderne Hörsysteme können auch bei einem aktiven Lebensstil zuverlässige Begleiter sein. Gerade weil die Geräte klein und wertvoll sind, sollte das Thema Verlust jedoch nicht unterschätzt werden.

Wer regelmäßig Sport treibt, sollte deshalb prüfen, ob sein Hörgerät über eine Ortungs- oder Wiederfindefunktion per App verfügt und wie diese genau arbeitet. Ebenso sinnvoll ist die Frage, welche Kosten bei einem tatsächlichen Verlust von Krankenkasse, bestehender Versicherung oder einer speziellen Hörgeräteversicherung übernommen werden.

Am besten beschäftigt man sich damit, bevor das Hörgerät irgendwo zwischen Laufstrecke, Fahrradhelm und Umkleidekabine verschwunden ist.

Denn beim Sport gilt auch für Hörgeräte: Vorbeugen, wiederfinden und richtig absichern ist deutlich entspannter als suchen und hoffen.

Die fachliche Abgrenzung ist wichtig: Bei Phonak beispielsweise zeigt die Suchfunktion den letzten bekannten Verbindungspunkt und unterstützt in der Nähe über die Signalstärke; sie ist also nicht mit einer permanenten GPS-Ortung gleichzusetzen.   Stiftung Warentest weist zudem darauf hin, dass spezielle Hörgeräteversicherungen bei Verlust leisten können, aber häufig Selbstbeteiligungen bzw. begrenzte Erstattungen vorsehen und eine Zusatzversicherung bei hoher privater Aufzahlung eher interessant sein kann.