Olivenöl fürs Gehirn: Kann ein Löffel am Tag das Demenzrisiko senken?
Olivenöl gehört längst zu den Klassikern einer gesunden Ernährung. Vor allem aus der mediterranen Küche ist es kaum wegzudenken. Bekannt ist auch, dass hochwertiges Olivenöl aufgrund seiner ungesättigten Fettsäuren und Pflanzenstoffe positiv auf Herz und Gefäße wirken kann.
Doch möglicherweise profitiert noch ein anderes Organ besonders davon: unser Gehirn.
Eine große Langzeitstudie von Forschern der Harvard T.H. Chan School of Public Health liefert interessante Hinweise darauf, dass bereits eine relativ kleine Menge Olivenöl pro Tag mit einem geringeren Risiko verbunden sein könnte, an den Folgen einer Demenzerkrankung zu sterben. (JAMA Network)
Olivenöl fürs Gehirn: Mehr als 92.000 Menschen über Jahrzehnte beobachtet
Für die 2024 in JAMA Network Open veröffentlichte Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten von 92.383 Frauen und Männern aus zwei großen amerikanischen Langzeitstudien aus.
Die Teilnehmer waren zu Beginn im Durchschnitt rund 56 Jahre alt. Ihre Ernährungsgewohnheiten wurden regelmäßig erfasst – darunter auch die Menge an Olivenöl, die sie beim Kochen, für Salate oder zusammen mit anderen Lebensmitteln verwendeten.
Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich über 28 Jahre. In dieser Zeit wurden 4.751 demenzbedingte Todesfälle dokumentiert.
Das auffälligste Ergebnis: Menschen, die täglich mehr als sieben Gramm Olivenöl konsumierten, hatten gegenüber Personen, die praktisch kein Olivenöl verwendeten, ein um 28 Prozent niedrigeres Risiko für einen demenzbedingten Tod.
Sieben Gramm sind dabei keine riesige Menge – ungefähr ein halber Esslöffel.
Bedeutet das, dass Olivenöl Demenz verhindert?
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Die Untersuchung zeigt einen statistischen Zusammenhang, aber keinen sicheren Ursache-Wirkungs-Nachweis. Es handelte sich um eine Beobachtungsstudie und nicht um eine randomisierte klinische Studie.
Man kann deshalb nicht behaupten: „Wer täglich Olivenöl isst, bekommt keine Demenz.“
Auch die Autoren formulieren ihre Schlussfolgerungen entsprechend vorsichtig. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass ein höherer Olivenölkonsum mit einer niedrigeren demenzbedingten Sterblichkeit verbunden ist. Ob das Olivenöl selbst dafür verantwortlich ist, lässt sich anhand dieser Daten nicht endgültig beweisen.
Trotzdem sind die Ergebnisse interessant – insbesondere deshalb, weil die Forscher zahlreiche andere Faktoren statistisch berücksichtigten.
Warum könnte Olivenöl das Gehirn schützen?
Olivenöl besteht zu einem großen Teil aus einfach ungesättigten Fettsäuren. Hinzu kommen Vitamin E und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, darunter Polyphenole.
Vor allem natives Olivenöl enthält antioxidativ wirkende Verbindungen.
Das könnte aus mehreren Gründen interessant sein. Oxidativer Stress und chronische Entzündungsprozesse werden mit Alterungsprozessen und verschiedenen chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Hinzu kommt die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Was für die Blutgefäße gut ist, kann langfristig auch für das Gehirn von Bedeutung sein.
Denn unser Gehirn ist auf eine zuverlässige Durchblutung angewiesen. Gefäßschäden, Bluthochdruck und andere kardiovaskuläre Risikofaktoren spielen insbesondere bei vaskulären Formen der Demenz eine wichtige Rolle.
Die Harvard-Forscher diskutieren deshalb sowohl direkte neuroprotektive Eigenschaften bestimmter Inhaltsstoffe als auch indirekte Effekte über eine bessere Gefäßgesundheit.
Besonders interessant: Olivenöl statt anderer Fette
Noch spannender wird die Studie, wenn man nicht nur betrachtet, was zusätzlich gegessen, sondern was dadurch ersetzt wird. Olivenöl fürs Gehirn!
Die Wissenschaftler berechneten beispielsweise, was statistisch passiert, wenn täglich fünf Gramm Margarine oder Mayonnaise durch die gleiche Menge Olivenöl ersetzt werden.
Dabei war der Austausch mit einem 8 bis 14 Prozent niedrigeren Risiko für demenzbedingte Sterblichkeit verbunden. Für den Austausch von Butter oder anderen Pflanzenölen zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Effekt.
Für die Praxis bedeutet das: Man muss nicht unbedingt zusätzlich Öl über das Essen gießen. Sinnvoller kann es sein, weniger günstige Fettquellen gezielt auszutauschen.
Zum Beispiel kann Olivenöl als Salatdressing verwendet werden, Gemüse verfeinern oder Bestandteil von mediterranen Gerichten sein.
Bewegung und Ernährung gehören zusammen
Für die langfristige Gesundheit des Gehirns sollte man sich allerdings nicht auf ein einzelnes Lebensmittel konzentrieren.
Gerade hier zeigt sich, wie eng Fitness, Herz-Kreislauf-Gesundheit und Gehirngesundheit miteinander verbunden sind.
Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt unter anderem die Durchblutung, verbessert die Stoffwechselgesundheit und hilft dabei, Bluthochdruck, Übergewicht und Typ-2-Diabetes vorzubeugen beziehungsweise günstig zu beeinflussen.
Eine ausgewogene Ernährung ergänzt diesen Effekt.
Besonders interessant ist dabei die mediterrane Ernährungsweise mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Fisch und Olivenöl. Auch die Harvard-Forscher weisen darauf hin, dass mediterrane Ernährungsmuster in früheren Untersuchungen mit einer besseren kognitiven Gesundheit in Verbindung gebracht wurden.
Für einen gesunden Lebensstil lautet die Botschaft daher nicht: jeden Tag einen Löffel Olivenöl schlucken und das Thema Demenz ist erledigt.
Entscheidend ist das Gesamtpaket.
Wie viel Olivenöl ist sinnvoll?
In der Harvard-Studie zeigte sich die günstigste Verbindung bei einem Konsum von mehr als sieben Gramm täglich. Das entspricht ungefähr einem halben Esslöffel.
Daraus sollte jedoch keine exakte „Demenz-Dosis“ abgeleitet werden.
Olivenöl ist schließlich ein energiereiches Lebensmittel: Ein Esslöffel liefert ungefähr 120 Kilokalorien. Wer ohnehin ausreichend Energie zu sich nimmt, sollte Olivenöl daher vorzugsweise anstelle anderer Fette verwenden und nicht einfach zusätzlich konsumieren.
Besonders geeignet ist natives Olivenöl extra. Es lässt sich beispielsweise für Salate, Gemüsegerichte, Hülsenfrüchte, Pasta oder zum moderaten Anbraten einsetzen.
Gehirnfitness beginnt nicht erst im Alter
Das eigentlich Interessante an solchen Untersuchungen ist die langfristige Perspektive.
Demenzprävention beginnt nicht erst mit 70 oder 80 Jahren. Viele Faktoren, welche die Gesundheit von Herz, Gefäßen und Stoffwechsel über Jahrzehnte beeinflussen, können auch für die spätere Gehirngesundheit relevant sein.
Deshalb lohnt es sich, möglichst früh auf die bekannten Grundlagen zu achten: regelmäßige Bewegung, Kraft- und Ausdauertraining, ausreichend Schlaf, Nichtrauchen, soziale Kontakte, geistige Aktivität und eine ausgewogene Ernährung.
Olivenöl kann ein kleiner Bestandteil dieses Gesamtkonzepts sein.
Ein einfacher Austausch mit möglichem Langzeiteffekt
Olivenöl ist kein Wundermittel gegen Alzheimer oder andere Demenzerkrankungen. Die derzeitige Studienlage erlaubt auch nicht die Aussage, dass ein täglicher Löffel Olivenöl Demenz verhindern kann.
Die große Harvard-Langzeitstudie liefert jedoch einen bemerkenswerten Hinweis: Menschen mit einem täglichen Olivenölkonsum von mehr als sieben Gramm hatten ein 28 Prozent niedrigeres Risiko, an einer Demenzerkrankung zu sterben, als Menschen, die Olivenöl kaum oder überhaupt nicht verwendeten.
Für den Alltag ist die Konsequenz erfreulich unkompliziert. Olivenöl lässt sich problemlos in eine gesunde, mediterran orientierte Ernährung integrieren – idealerweise nicht einfach zusätzlich, sondern als Ersatz für weniger günstige Fettquellen.
Zusammen mit regelmäßiger Bewegung könnte genau diese Kombination aus vielen kleinen, dauerhaft eingehaltenen Gewohnheiten eine der sinnvollsten Strategien sein, um nicht nur körperlich, sondern auch geistig möglichst lange fit zu bleiben.




